Urlaubsmagazin Sächsische Schweiz 2016 - page 40

Sächsische Schweiz
Ihr Urlaubsmagazin 2016
BEWEGUNG
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Mühlenkultur im Elbsandsteingebirge
Wer mehr über die Mühlen im Kirnitzschtal erfahren
möchte, dem ist das Buch »Die Mühlen der
Sächsischen Schweiz – Rechtselbisches Gebiet«
von Manfred Schober zu empfehlen. Es ist erhältlich
im Buchhandel oder im Kunstblumen- und Heimat-
museum Prof. Alfred Meiche in Sebnitz.
Buchtipp
Am Eingang zum Kleinen Zschand steht die 1664
erbaute Felsenmühle. Auch sie diente ursprünglich
ausschließlich als Sägemühle. Erst 1862 wurde hier
auch gemahlen. Mit dem Bau der neuen Straße
kam für die Mühle der Abriss. Danach entstand auf
dem linken Ufer der Kirnitzsch eine neue Schnei-
demühle und Holzschleife. Und nach dem Erwerb
der vollen »Gasthofsgerechtigkeit« wurde auch
der noch heute genutzte Gasthof errichtet.
Am Ausgang des Knechtsbachtales befindet sich
die Lichtenhainer Mühle. Der sehr lange Mühlgra-
ben zweigt bereits vor der Talweitung ab. Höchst-
wahrscheinlich besteht die Mühle bereits seit dem
12./13. Jahrhundert, 1547 ist sie dann erstmalig
als Mahl- und Brettmühle urkundlich nachgewiesen.
Zweimal haben sie die Naturgewalten zerstört: 1629
durch Hochwasser, 1739 durch Blitzschlag und an-
schließendem Brand. Und zweimal wurde sie wie-
der aufgebaut. Zum Ende des 18. Jahrhunderts
entwickelte sich die Lichtenhainer Mühle zu einer
beliebten Rast- und übernachtungsstätte. 1975
endete nach vielen Hundert Jahren der Mühlen-
betrieb. Heute sind nur noch das Gebäude der
Holzschleife und das Wohnhaus erhalten.
Es folgt der Gasthof Lichtenhainer Wasserfall, ein
beliebtes Ausflugsziel und Startpunkt vieler Wan-
derungen. Er ist seit 1898 einer der Endpunkte der
Kirnitzschtalbahn. Zwischen ihm und dem Beuthen-
fall befindet sich die Haidemühle. 1547 erstmals
urkundlich als Brettmühle erwähnt, erhielt sie 1856
das Schankrecht. Ab 1915 wurde Holzwolle herge-
stellt. Und ab 1963 diente die Mühle als Kinderfe-
rienlager. Heute ist das Gebäude verfallen.
Einige Kilometer weiter steht die Mittelndorfer
Mühle, welche ab 1518 als Mahl- und Brettmühle
nachgewiesen ist. Ab dem Ende des 18. Jahrhun-
derts haben auch hier Schweizreisende Kost und
Logis gefunden. Um 1882 wurde eine Holzschleife
eingebaut und eine Anlage zur Produktion von
Pappe errichtet, die bis 1959 arbeitete. Heute ist
die Mühle eine Pension mit Gaststätte.
Weiter stromabwärts folgt die Ostrauer Mühle.
Diese entstand Mitte des 17. Jahrhunderts durch
den damaligen Pächter der Mittelndorfer Mühle,
Balzer Mitzscherlich, als Brettmühle. 1749 bekam
sie auch einen Mahlgang. Auch die Ostrauer Mühle
war seit dem Ende des 18. Jahrhunderts eine be-
liebte Einkehr für Touristen. Als sie 1882 vollstän-
dig abbrannte, entstand an ihrer Stelle ein mo-
dernes Sägewerk. 1950 brannte die Mühle erneut
nieder und wurde abermals neu aufgebaut. 1968
endete der Betrieb der Mühle. Das Gelände wird
heute als Zeltplatz genutzt.
Die Wanderung führt vorbei am Depot der Kir-
nitzschtalbahn, der einzigen Straßenbahn der Welt,
die in einen Nationalpark einfährt. Am Endpunkt
der Bahn, im heutigen Kurpark, befand sich bis
1939 die letzte Mühle entlang der Kirnitzsch: die
Stadtmühle von Schandau. Der 1481 erstmals ur-
kundlich erwähnte Bau diente ursprünglich als
Mahlmühle. Im 17. Jahrhundert kam eine Walk-
mühle und eine Lohstampfe hinzu. Das Walken
veredelte frisch gewebte Stoffe durch mechani-
sche Verarbeitung. In der Stampfe wurde Rinde
zerkleinert, um die für die Gerberei notwendigen
pflanzlichen Gerbmittel zu gewinnen. Im 18. Jahr-
hundert folgte noch eine Schneidmühle. 1895 en-
dete der Mahlbetrieb und 1939 wich die Mühle
dem Straßenbau. Hier endet der zweite Teil der
Mühlenwanderung. Bad Schandau bietet zahlrei-
che Optionen zur Rück- oder Weiterreise mit Bus
und Bahn.
Falk Röllig
Foto: Mike Jäger
Felsenmühle
Oben: Gasthof am Lichtenhainer Wasserfall
Foto: Falk Röllig
Foto: Frank Exß
Marktplatz Bad Schandau
Foto: Tobias Richter
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