Urlaubsmagazin Sächsische Schweiz 2016 - page 22

Sächsische Schweiz
Ihr Urlaubsmagazin 2016
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NATURWUNDER
aber die großen Sandsteingebiete. Der Wald-Geiß-
bart steht in der Sächsischen Schweiz kurz vor seiner
absoluten nördlichen Verbreitungsgrenze.
Schwefelflechte:
Farbtupfer am Fels
Die gelben Schwefelflechte (chrysothrix chlorina)
ist in der Sächsischen Schweiz eine nicht seltene
Erscheinung. Sie wächst vor allem an völlig regen-
geschützten überhängen und Felswänden auf kalk-
freien Silikatsteinen (Sandstein) in niederschlags-
reichen Gebieten. Die schattigen und luftfeuchten
Standorte befinden sich meist in den Schluchten
und Tälern der Sächsischen Schweiz. Die Schwefel-
flechte bestreitet ihren Wasserhaushalt nur durch
die Feuchte der Luft (Wasserdampf). Ihre intensive
Gelbfärbung entsteht durch Pulvinsäure-Derivate,
was bei Flechten und Pilzen nicht selten ist, und
hat nichts mit dem Element Schwefel zu tun.
Stängelumfassender Knotenfuß:
Die Kälteliebende
Im unteren Teil des Großen Zschandes wird dem
aufmerksamen Wanderer auf den Felssimsen und
in den steilen Hängen beiderseits des Weges eine
etwa 40 bis 50 Zentimeter hohe und dünn-steng-
liche Pflanze auffallen, die einer Weißwurz sehr
ähnlich sieht. Beim genaueren Hinschauen wird er
bemerken, dass die parallelnervigen Blätter sten-
gelumfassend sind. Diese weithin unbekannte
Pflanze ist der Stengelumfassende Knotenfuß. Der
kälteliebende Knotenfuß besitzt in Mitteleuropa
eine deutlich montane (subalpine) Verbreitung
und siedelt nur in den Alpen zwischen 750 und
2.300 Meter sowie in weiteren inselartigen Vor-
kommen in den Hochlagen der Mittelgebirge. Im
Elbsandsteingebirge tritt die Art dagegen in einer
für Mitteleuropa bemerkenswert tiefen Lage auf.
Leuchtmoos:
Lichtsammler im Dunkeln
Die Sandsteinfelsen der Sächsischen Schweiz sind
für die Moosflora von besonderer Bedeutung. Be-
dingt durch die Höhenstufeninversion finden wir in
den feuchten und kühlen Schluchten nicht wenige
arktisch-alpine Silikatmoose, die sonst erst in hö-
heren Gebirgslagen vorkommen. Insgesamt sind
über 467 Moosarten in der Sächsischen Schweiz
nachgewiesen worden (von 715 sächsischen Arten
und 1.159 in Deutschland). Eine besondere Art ist
das Leuchtmoos, welche eine allgemeine Auf-
merksamkeit erregt. Es wächst als streng kalkmei-
dende Art in regengeschützten Höhlungen und
unter überhängen in kleinen bläulichgrünen Rasen.
Infolge des Lichtmangels besitzt das Protonema
(Vorkeim) der Pflanzen linsenförmige Zellen die
das Licht bündeln und welche das katzenaugenar-
tige Leuchten hervorrufen. Dies stellt eine Anpas-
sung an den lichtarmen Standort dar, so dass die
Pflanzen mit einem 1/500 an Licht auskommen.
Flutender Hahnenfuß:
Diva im Bach
An der Kirnitzsch unterhalb der Oberen Schleuse,
also dort, wo sie ihre beste Wasserqualität besitzt,
fallen dem Wanderer, je nach Wechsel von Licht
Foto: Peter Wächter
Fotos: Holm Riebe
Oben: Schlitzblättriger Sonnenhut
Unten: Schwefelflechte
Oben: Knotenfuß
Unten: Flutender Hahnenfuß, Leuchtmoos
und Schatten sowie der Strömung des Wassers,
Vorkommen von leuchtend grünen Wasserpflan-
zen auf. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um
nur zwei Arten: den Haken-Wasserstern und den
Flutenden Hahnenfuß. Der Flutende Hahnenfuß ist
eine in Sachsen stark gefährdete Art, welche nur
in sehr sauberen, schnell fließenden, sauerstoff-
reichen und kühlen Gewässern vorkommt und in
Sachsen nur noch wenige Fundpunkte besitzt. Die
kleinen, weißen Blüten erscheinen meist Anfang
August und sind direkt über aber auch unter der
Wasseroberfläche zu sehen.
Schlitzblättriger Sonnenhut:
Neubürger im Tal
Viele Neubürger (Neophyten) unserer heimischen
Flora werden, bedingt durch den weltweiten Verkehr,
immer häufiger. Der Vorgang ist an sich nicht neu,
nur hat er heute eine neue Intensität erreicht. Der
Zugang neuer Arten in unserer Flora setzte schon
vor etwa 6.000 Jahren mit dem Neolithikum ein.
Und all diese Neu- und Altbürger machen mittler-
weile fast 50 Prozent unserer heimischen Flora aus.
Der Schlitzblättrige Sonnenhut, ein Neophyt aus
Nordamerika, gelangte in der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts als Zierpflanze nach Deutschlands
und wurde schon 1825 in Sachsen festgestellt. An
der Polenz etablierte er sich erst in den fünfziger
Jahren des 20. Jahrhunderts, besiedelt heute dort
aber große Flächen ehemals genutzter Wiesen.
Holm Riebe
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