Urlaubsmagazin Sächsische Schweiz 2016 - page 19

Sächsische Schweiz
Ihr Urlaubsmagazin 2016
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NATURWUNDER
Wo kann man die Tiere beobachten oder
hören und woran erkennt man sie?
Erwachsene Wanderfalken sind das ganze Jahr über
im Gebiet der Sächsisch-Böhmischen Schweiz zu
sehen. Jeder Tafelberg hat sein Wanderfalkenpaar.
Wanderfalken sind knapp bussardgroß. Der Rücken
ist grau gefärbt, Bauch und Brust sind weißlich
mit dunkler Querbänderung, den schwarzen Kopf
ziert ein dicker Backenstreif auf den weißen Wan-
gen. Im Jugendkleid überwiegen gelbe und brau-
ne Farbtöne mit längs gefleckter Unterseite. Die
Männchen sind kleiner, aber kontrastreicher ge-
zeichnet als die kräftigeren Weibchen. Das Flug-
bild zeigt einen kompakten, kräftigen Körper mit
relativ kurzem Schwanz und spitzen Flügeln. Ihre
häufigsten Rufe sind ein lang gezogenes Lahnen
wie »ghääig« oder harte Rufe wie »akzick«, Warn-
rufe klingen wie »grä, grä, grä«.
Wie können Wanderer und Kletterer
zum Schutz der Tiere beitragen?
Durch Beachten des Wegegebotes und Befolgen
von Ausschilderungen zum Schutz der Tierwelt in
den Horstschutzzonen.
Ab 1990 wurden, dank der Wende, dann jährlich
etwa zehn Jungfalken ausgewildert. 1996 konnte
das Projekt erfolgreich beendet werden, da das
Ziel fünf etablierter Paare erreicht war. Um den
Bestand zu schützen, schildern wir jährlich Horst-
schutzzonen aus. Und Mitglieder des Sächsischen
Bergsteigerbundes bewachen kritische Plätze, um
den Brutpaaren die erforderliche Ruhe zur Auf-
zucht ihrer Jungvögel zu gewährleisten.
Bergsteiger bewachen Falkenhorste?
Ja, das ist eine ehrenamtliche Tätigkeit. Jährlich
übernehmen etwa 30 bis 40 Freiwillige an 30 bis
40 Tagen diese Aufgabe. Sie bewachen die Brut-
plätze in besonders beliebten Klettergebieten bzw.
an besonders beliebten Kletterfelsen. Sie klären
Kletterer zum Wanderfalkenschutz auf, weisen bei
übertretungen auf die Wichtigkeit der Ruhe im
Gebiet hin und verweisen uneinsichtige Personen
der Schutzzone.
Wie viele Wanderfalken sind
heute wieder im Elbsandsteingebirge
heimisch?
Aktuell 31 oder 32 Paare, davon 20 oder 21 auf
sächsischer Seite. Das Elbsandsteingebirge ist da-
mit wahrscheinlich das von Wanderfalken am
dichtesten besiedelte Gebiet Mitteleuropas. 2015
brüteten zwei Wanderfalkenpaare in nur 650 Me-
ter Entfernung zueinander erfolgreich.
verfügbar waren, blieb nur der Weg über die Zweit-
legemethode. Dieses Pilotprojekt wurde 1989 an-
gegangen. Vom Brutpaar an der Berliner Marien-
kirche holten wir zwei Jungfalken. Dort wurden
zwei Junge aus einem Thüringer Horst, wo die Fal-
ken ein Zweitgelege hatten, eingesetzt. Zweitge-
lege werden durch gezielte Entnahme der ersten
Eier erzeugt, da die Falken in der Regel noch mal
neu Eier legen.
Ulrich Augst beim Beringen eines Jungfalken am Jortanshorn im Großen Zschand.
Wanderfalkengelege, Fütterung und Jungfalken im Horst
Foto: Va
́
clav Sojka
Foto: Ulrich Augst
Foto: Mike Jäger
Foto: Ulrich Augst
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