Urlaubsmagazin Sächsische Schweiz 2016 - page 114

Sächsische Schweiz
Ihr Urlaubsmagazin 2016
KULTUR
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L
ängst ist das Barockschloss Rammenau
kein touristischer Geheimtipp mehr. In
seiner komplett bewahrten Einheit aus
repräsentativem Schloss, Meierhof und
Parkanlage gilt es als schönste Landbarockanlage
Sachsens. Nicht nur wegen seiner architektonischen
Qualität, seiner kulturhistorischen Bedeutung und
weil der Freistaat den weitläufigen Baukomplex
seit Jahren schrittweise restauriert. Das engagier-
te Personal um Schlossleiterin Ines Eschler ver-
lässt sich nicht auf die Anziehungskraft der histo-
rischen Bauten und des Schlossmuseums, sondern
schafft unermüdlich neue Besuchsanreize – von
Sonderausstellungen über gastronomische Ange-
bote bis zu thematischen Führungen, Konzerten
und Kleinkunstveranstaltungen. Mit Events wie
den jährlichen Internationalen Oberlausitzer Lei-
nentagen, die 2015 bereits zum zwanzigsten Mal
stattfanden, hat sich Rammenau einen Namen
weit über die Region hinaus gemacht.
Trotzdem ist und bleibt das Schloss mit seinen
faszinierenden, vor allem spätbarock und früh-
klassizistisch geprägten historischen Salons die
Hauptattraktion des Ensembles. Seit 2015 er-
strahlt hier ein Raum in neuem Glanz, der auf den
ersten Blick gar nicht in den europäischen Kultur-
kreis zu passen scheint: Das chinesische Zimmer.
Es stammt bereits aus der ersten Bauperiode des
Schlosses, in der Ernst Ferdinand von Knoch, Kam-
merherr Augusts des Starken, sich in den 1730er-
Jahren den Traum von einem eigenen Landschloss
unweit der Residenz seines Landesherrn erfüllte
und sich dabei finanziell ruinierte. Wollte man da-
mals als vermögend und weltläufig gelten, kamman
nicht umhin, auch der chinoiserie-Mode, die im
18. Jahrhundert Europa beherrschte, seinen Tribut
zu zollen. Der Ferne Osten galt damals als Inbe-
FüNF OHNEGLEIcHEN
china in der Oberlausitz
Barockschloss Rammenau
griff geheimnisvoller Exotik und unermesslicher
Reichtümer; Bauten wie Schloss Pillnitz, das Japa-
nische Palais in Dresden oder das Moritzburger
Fasanenschlösschen künden von dieser Zeit.
Das Rammenauer chinesische Zimmer, ursprüng-
lich als Tee-Salon genutzt, besticht durch seine
zauberhafte Atmosphäre. Sein üppiger Decken-
stuck ist an den Randzonen zu den Wänden als
Lambrequin ausgebildet; anstelle von Quasten
hängen kleine Blütenvasen »kopfunter« vom unte-
ren Rand dieser Stuckborte. Eine kostbare Farben-
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